Damit hätte wohl niemand gerechnet: Ex-Winnetou-Darsteller Thomas Koziol aus Österreich wird der neue Blutsbruder Winnetous beim Elspe Festival.
Regisseur Marco Kühne hält offensichtlich wenig von „das haben wir schon immer so gemacht“ und setzt seine Besetzungsüberraschungen aus diesem Jahr fort – da hatte Shatterhand-Darsteller Martin Krah die Rolle des Schurken Leflor übernommen und Häuptlingsdarsteller Tim Forssman zur Heldenrolle des Old Firehand gewechselt. Nun also ein österreichischer Ex-Winnetou als Old Shatterhand an der Seite von Winnetou Jean-Marc Birkholz.
Koziol hat eine lange Historie auf den Freilichtbühnen im Nachbarland. So war er unter anderem gemeinsam mit seinem Vater Heinrich Koziol und Peter Görlach im Gründungsteam der Karl-May-Spiele in Gföhl, bei denen er zuerst 1994 als Winnetou zu sehen war. Später übernahm er diese Rolle auch in Winzendorf und Weitensfeld. Zusätzlich zu seiner Rolle auf der Bühne übernahm Thomas Koziol später auch den Part der Regie und des Buchautors.
Besonders hervorzuheben ist seine Doppelrolle als Winnetou und Parranoh in der Inszenierung von „Winnetou II“ in Weitensfeld im Jahr 2011 sowie 2006 in Winzendorf.
Marco Kühne zu Thomas Koziol: „Thomas bringt eine Kraft, Authentizität und Tiefe mit, die wir genau für unser Actiontheater brauchen. Sein Reitkönnen, seine Stunterfahrung und sein präzises Schauspiel eröffnen uns neue kreative Wege. Wir können Old Shatterhand mit ihm körperlicher, direkter und emotionaler erzählen als je zuvor. Was mich persönlich jedoch besonders beeindruckt, ist seine tiefe Liebe und sein Respekt für die Welt Karl Mays. Diese innere Verbundenheit spürt man in jeder Begegnung – und genau das macht ihn für mich zur perfekten Wahl für diese Rolle.“
Ich freue mich auf einen schönen Sommer mit den Kollegen aus Elspe und hoffe, dass ich als Shatterhand nicht abkacke. Jean-Marc ist ein großartiger Winnetou, das passt wirklich gut. Das ist für mich ein echter Traum, in Elspe zu spielen. Seit ich 1986 hier stand und gedacht habe, das willst Du auch mal machen. Und so schnell kann es gehen.. (lacht).
Im Corona-Jahr 2020 war Thomas Koziol Teil der Karl-May-Lesung „Der Ölprinz“ von KARL MAY & Co.
Die weitere Besetzung
Vor Thomas Koziol wurden bereits die anderen Darsteller für die Inszenierung von „Winnetou I – Häuptling der Apachen“ veröffentlicht. Aus Österreich stößt Friedrich Grud zum Team dazu, der zuletzt in Burgrieden tätig war. Von dort kommt auch Michael Müller nach Elspe, der sich in den vergangenen Jahr als Karl-May-treuer Buchautor, Regisseur und Sam Hawkens-Darsteller einen Namen in der Szene gemacht hat. James Bürkner darf in diesem Jahr vom Gangstergehilfen zum Mörder von Winnetous Schwester und Vater „aufsteigen“.
- Jean-Marc Birkholz – Winnetou
- Sarah Gösser – Nscho-tschi
- Stephan Kieper – Intschu-tschuna
- Ben Schulte – Klekih-petra
- James Bürkner – Santer
- Sebastian Kolb – Tangua
- Matthias Schlüter – Sam Hawkens
- Markus Lürick – Dick Stone
- Michael Müller – Will Parker
- Tina Mester – Miranda
- Oliver Fleischer – Bancroft
- Friedrich Grud – Rattler
Die Story
Im Wilden Westen Nordamerikas, in einer Zeit, in der Eisenbahnen das Land verändern sollen, kommt ein Deutscher nach New Mexico: Old Shatterhand. Er sucht Arbeit und Abenteuer – doch schnell merkt er, dass es hier um weit mehr geht als um Vermessungen und Schienen. Denn dieses Land gehört den Apachen. Winnetou versucht gemeinsam mit seinem Vater, Intschu-Tschuna, den Frieden zwischen seinem Volk und den Weißen zu bewahren. Dabei glaubt Winnetou fest an Verständigung statt Gewalt. Seine Schwester Nscho-tschi und der weiße Lehrer Klekih-Petra teilen diesen Wunsch nach Frieden und gegenseitigem Respekt.
Doch nicht alle denken so. Der skrupellose Banditenführer Santer will die Eisenbahn um jeden Preis durch das Land der Apachen bauen – aus Gier nach Gold und Macht. Verträge werden gebrochen, Versprechen verlieren ihren Wert. Auch Tangua, der stolze Häuptling der Kiowa, misstraut den Weißen zutiefst. Er hält den Frieden für eine Illusion und glaubt, nur Stärke und Kampf könnten das Überleben der Indianer sichern. In einem schweren Zweikampf mit Intschu-Tschuna entscheidet sich, ob die Stämme weiter auf Frieden hoffen oder sich auf den Krieg vorbereiten.
Zwischen all diesen Fronten steht Old Shatterhand. Er erkennt, dass Unrecht geschieht, und weigert sich, daran mitzuwirken. Als er sich offen gegen Santer stellt, wird er selbst zum Ziel. In der aufgeheizten Stimmung kommt es sogar zu einem Kampf zwischen ihm und Winnetou – ein tragisches Missverständnis, das zeigt, wie schnell Angst und Wut selbst Freunde trennen können.
Der Tod von Klekih-Petra zerstört schließlich die letzten Hoffnungen auf einen friedlichen Ausgleich. Der Krieg scheint unausweichlich. Tangua geht noch weiter: Er lockt Old Shatterhand in eine Falle, um ihn gefangen zu nehmen und ein Zeichen gegen die Weißen zu setzen. Hass und Rache drohen alles zu überrollen.
Doch inmitten von Gewalt und Verrat wächst etwas Neues: Aus gegenseitigem Respekt entsteht zwischen Winnetou und Old Shatterhand eine tiefe Freundschaft. Beide müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für sich selbst, sondern für ganze Völker. Mit Humor und Menschlichkeit begleiten das Geschehen das berühmte „Kleeblatt“ – Sam Hawkens, Will Parker und Dick Stone –, die Saloonwirtin Miranda und der oft betrunkene, aber gutherzige Bancroft.

