Seine Karl-May-Heimat ist Bad Segeberg, doch nun spielt er in Sachen Winnetou & Co. erstmals auf einer anderen Bühne: Harald P. Wieczorek. Der Schauspieler, der vor vier Tagen seinen 72. Geburtstag feierte, wird in der Inszenierung „Winnetou und das Geheimnis um Old Surehand“ in diesem Sommer bei den Karl-May-Spielen in Pullman City in Eging am See (Bayern) die Rolle des Tibo-Taka übernehmen.

Seit 1979 stand Wieczorek immer wieder auf der Bühne im Freilichttheater am Kalkberg, in der vergangenen Saison (2019) hatte er in „Unter Geiern – Der Sohn des Bärenjägers“ in einer Doppelrolle seine 15. Spielzeit absolviert. Da in Bad Segeberg wie in den meisten anderen Karl-May-Festspielorten in diesem Sommer vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie keine Vorstellungen stattfinden („Der Ölprinz“ wurde in Bad Segeberg auf 2021 verschoben), kann Wieczorek, sonst auf Segeberg abonniert, nun erstmals auf einer anderen May-Bühne stehen. In Pullman City hat man die Premiere corona-bedingt um einen Monat verschoben, will aber spielen.

Mike Dietrich, Regisseur und Buchautor in Pullman City, der vor mehr als zwanzig Jahren als Statist in Bad Segeberg zusammen mit Wieczorek auf der Bühne stand, engagierte Wieczorek erst kürzlich, nachdem der eigentlich für die Rolle des Tibo-Taka vorgesehene Akteur, Peter Bechtel, aus persönlichen Gründen seine Mitwirkung abgesagt hatte.

So sprang nun Wieczorek ein. Der 72-Jährige gilt in Bad Segeberg als Allzweckwaffe. So übernahm er in einer Inszenierung oft mehrere Rollen. Angefangen hat Wieczorek 1979 in der Rolle eines Ponca-Kriegers in „Old Firehand“, und schon 1985 gab ihm der damalige Intendant und Regisseur Klaus-Hagen Latwesen die Titelrolle des Ölprinzen. In einer kleinen Rolle, als Bürgermeister Blacky, war Wieczorek auch im ersten Segeberger Pierre-Brice-Jahr 1988, als „Winnetou, der Apache“ auf dem Spielplan stand, mit dabei. Ab den 2000er-Jahren begann dann Wieczoreks aktivste Karl-May-Zeit – er spielte sich seitdem vom Größen Bären über Vupa Umugi bis Dick Hammerdull quer durchs May-Repertoire. Seit der Spielzeit 2014 war er in jedem Jahr dabei. Im Segeberger „Ölprinz“ hätte Wieczorek in diesem Jahr wieder eine Doppelrolle spielen sollen: den Bankier Duncan und den Nitsas-Ini.

Premiere von „Winnetou und das Geheimnis um Old Surehand“ in Pullman City ist am 11. Juli um 20 Uhr. Bis zum 18. Oktober sind 51 Vorstellungen geplant. Dass noch im Oktober Karl-May-Festspiele stattfinden, hat Seltenheitswert.

Im Ensemble sind neben Wieczorek Ivica Zdravkovic als Winnetou, Alexander Milz als Old Surehand, Farouk El-Khalili als Apanatschka, Stefan Wimmer als General, Max Hartl als Old Wabble, Roman Strelzyk als Matto-Schahko, Georg Schlögl als Pit Holbers und Michael Klute als Dick Hammerdull vorgesehen. Die Schlagersängerin Claudia Jung, die zuvor bereits bei den Karl-May-Festspielen in Dasing auftrat, spielt die Kolma Puschi. Als Erzähler engagierte Mike Dietrich den Sprecher Gordon Piedesack, dessen Stimme nicht nur in der aktuellen Karl-May-Lesung von der KARL MAY & Co.-Jubiläumsfeier zu hören ist, sondern auch seit vielen Jahren bei den Kollegen der Festspiele in Mörschied.

Die Inszenierung ist das erste 90-minütige Karl-May-Stück, das in Pullman City aufgeführt wird, nachdem man im vergangenen Jahr bereits eine 45-minütige Winnetou-Show gezeigt hatte. Für die diesjährige Spielzeit hat man in Pullman City eine große Tribüne errichtet und weiter ins Bühnenbild investiert. Als Highlights kündigen die Veranstalter die Mitwirkung freilaufender Bisons und eines Wolfshundes an.