Das hat Seltenheitswert: 300.000 Zuschauer bei den Bad Segeberger Karl-May-Spielen in einer Spielzeit. Genauer gesagt: Erst ein Mal in der inzwischen 58-jährigen Festspielgeschichte gelang es den Veranstaltern, die 300.000-Marke zu überschreiten – 1991, als Winnetou-Legende Pierre Brice mit ‚Winnetou – Das Vermächtnis‘ seinen Apachen-Abschied von der Freilichtbühne feierte. In nur 58 Vorstellungen – heute wird 72 mal gespielt – begrüßte man seinerzeit 317.395 Zuschauer, im Jahr zuvor verpasste man mit ‚Winnetous letzter Kampf‘, auch mit Brice als Indianerhäuptling, nur knapp die angepeilte Schallgrenze – mit 299.255 Zuschauern.
Nun haben es die Segeberger zum zweiten Mal gepackt. Mit Donald Kraemers Inszenierung ‚Der Schatz im Silbersee‘ und dank der Zugkraft solcher B-Stars wie Martin Semmelrogge (Cornel Brinkley), Dorkas Kiefer (Jolene Blenter) und Erol Sander (Winnetou) wurde in der 69. Vorstellung die 300.000. Besucherin begrüßt: Vor über 6.000 Zuschauern wurde der 25-jährigen Lysann Heininger aus Hünfeld bei Fulda ein Geldpreis in Höhe von 3.000 Euro überreicht. Lysann Heininger war mit ihrem Freund Matthias ins Freilichttheater gekommen und besuchte die Karl-May-Spiele zum ersten Mal.
300.000-Marke – bisher nur einmal erreicht
Mehrfach waren die Karl-May-Spiele der 300.000-Marke in den letzten Jahren nahe gekommen: 2003 kamen zu dem Stück ‚Old Surehand‘ 289.000 Besucher, 2001 waren es beim ‚Schatz im Silbersee‘ 285.000 Besucher, und im Jahr 2006 kamen zu ‚Winnetou III‘ mit dem Abschied von Gojko Mitic 282.000 Besucher ins Freilichttheater am Kalkberg. Doch übersprungen wurde die 300.000er-Marke nicht wieder – bis heute. Zum Vergleich: Bei den erst 1993 gegründeten Störtebeker-Festspielen auf Rügen ist ein Ergebnis von deutlich mehr als 300.000 Besuchern allerdings bereits seit Jahren Normalität.
Plus von 21 Prozent
Ute Thienel, die Geschäftsführerin der Kalkberg GmbH, über den Erfolg der diesjährigen Spiele: ‚Wir freuen uns sehr, dass unsere diesjährige Aufführung mit u.a. ‚Winnetou‘ Erol Sander, Martin Semmelrogge und Dorkas Kiefer vom Publikum so begeistert aufgenommen wird. Das ist für alle Mitwirkenden ein großer Erfolg. Bis auf wenige Ausnahmen hat in diesem Jahr auch das Wetter sehr gut mitgespielt.‘ An den Sommerabenden im August seien oftmals weit mehr als 7.000 Besucher ins Freilichttheater am Kalkberg geströmt. Im Vergleich zum letzten Jahr kamen bislang gut 50.000 Besucher mehr – ein erstaunliches Plus von über 21 Prozent.
Der Erfolg im Vergleich
Ein großer Erfolg – keine Frage. Bei Zuschauern und Presse kam ‚Der Schatz im Silbersee‘ von Textbuchautor Michael Stamp – freilich doch mit einigen Ausnahmen – außerordentlich gut an. Doch mit Statistiken ist es so eine Sache, sie lassen sich aus unterschiedlichen Perspektiven interpretieren. Und so relativiert sich der Erfolg, allerdings nur dann, wenn die durchschnittliche Besucherzahl je Vorstellung herangezogen wird. Die lag etwa 1952, im Premierenjahr der Spiele, bei 6.560, 1991 bei 5.472 und nach der diesjährigen 69. Vorstellung ’nur‘ bei ca. 4.348 Zuschauern.
Die Saison 2009 der Karl-May-Spiele Bad Segeberg mit dem Stück ‚Der Schatz im Silbersee‘ geht am Sonntag, 6. September, mit der Vorstellung um 15 Uhr zu Ende. Es ist gut möglich, dass dann auch das Rekordergebnis von 1991 geknackt wird.
nf
Foto: Begrüßung der 300.000. Zuschauerin der Segeberger Inszenierung ‚Der Schatz im Silbersee‘ am Freitagabend, 4. September 2009 (Kalkberg GmbH Bad Segeberg)