Er war das prominenteste Mitglied des Kuratoriums der Karl-May-Stiftung und erst vor zwei Jahren in das Gremium berufen worden: der CDU-Politiker Marco Wanderwitz. Nach Informationen von KARL MAY & Co. trat der 44-Jährige nun am Wochenende aus dem Kuratorium der Karl-May-Stiftung aus. Offenbar spielten hierbei die Probleme, mit denen sich Vorstand und Kuratorium der Karl-May-Stiftung seit der aufsehenerregenden Kündigung des bisherigen Radebeuler Museumsdirektors Christian Wacker und der Berufung des stasi-belasteten Vorvorgängers Wackers, René Wagner, zum Interimsgeschäftsführer des Museums befassen müssen, eine Rolle.

Die Webseite Marco Wanderwitz’, auf der bis vor kurzem auch seine Mitgliedschaft im Kuratorium der Karl-May-Stiftung aufgeführt war, wurde jüngst aktualisiert: Die Kuratoriumsmitgliedschaft fehlt nun.

Wanderwitz, der erst in der vergangenen Woche in seiner Heimat Hohenstein-Ernstthal der Grundsteinlegung des Neubaus am Karl-May-Haus beiwohnte, ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und wurde erst Anfang dieses Jahres auch zum neuen Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer berufen. Seine Entscheidung, in die Politik zu gehen, begründete Wanderwitz in einem Beitrag der Jungen Union mit den Worten „Ein wichtiger Teil meiner politischen Motivation ist meine Familie. Ich halte mir immer wieder vor Augen, wie mich meine drei Kinder in zwanzig Jahren fragen werden, warum ich heute bei wichtigen Entscheidungen so und nicht anders abgestimmt habe“. Seine Geschichte sei mit den Umbrüchen in der DDR Ende der 1980er-Jahre eng verbunden: Demnach hätten nach den großen Demonstrationen in Leipzig im Oktober 1989 auch Demonstrationen vor der örtlichen Stasi-Zentrale von Wanderwitz‘ sächsischer Heimatstadt Hohenstein-Ernstthal stattgefunden, an der er mit seinen Eltern teilgenommen habe. „Wenige Wochen später, am Morgen des 10. November 1989, fuhr Marco Wanderwitz nicht zur Schule, sondern mit seinen Eltern über einen geöffneten Grenzübergang ins benachbarte Bayern“, heißt es auf der Webseite der Jungen Union. Wanderwitz ist auch Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Erst im Juni 2018 war Marco Wanderwitz zum Mitglied des Kuratoriums der Karl-May-Stiftung berufen worden. Damals twitterte der Politiker: „Freue mich sehr, dass ich gerade in #Radebeul ins Kuratorium der #KarlMayStiftung gewählt wurde. Der große Sohn meiner Heimatstadt #HohensteinERNSTTHAL hat uns ein bleibendes Erbe hinterlassen, das es zu pflegen und hochzuhalten gilt.“

Als lokal verankerter Bundespolitiker und Karl-May-Liebhaber wird Wanderwitz sich wohl auch in Zukunft mit den beiden Karl-May-Museen befassen, allerdings nicht mehr als Teil des Stiftungskuratoriums, das zuletzt stark in die Kritik geraten war. So sprachen der frühere Direktor des Karl-May-Museums Christian Wacker und der ehemalige Vorsitzende der Karl-May-Gesellschaft Johannes Zeilinger in KARL MAY & Co.-Interviews von „Filz“, Zeilinger fügte hinzu, Stiftung und Kuratorium seien ein „old-boy network“.

Eine Interviewanfrage von KARL MAY & Co. hatte Wanderwitz in der vergangenen Woche noch mit der Begründung abgelehnt, es müsse vor der womöglich entscheidenden Sitzung des Kuratoriums am 27. Juni zunächst intern gesprochen werden. An der Sitzung wird Wanderwitz nun nicht mehr teilnehmen.