Vor 27 Jahren stand der Chef der Karl-May-Festspiele in Elspe, Jochen Bludau, vor der Herausforderung, nur wenige Tage vor der Premiere des ‚Der Schatz im Silbersee‘-Stücks einen neuen Winnetou zu finden – er griff zum Telefon und rief Pierre Brice an, der kurze Zeit später im Sauerland wieder seinen Iltschi sattelte.

Das KARL MAY & Co.-Team weiß nun, wie sich Jochen Bludau seinerzeit gefühlt haben könnte: Eine Woche vor der großen und mittlerweile ausverkauften Jubiläumsfeier anlässlich des 25-jährigen Bestehens von KARL MAY & Co. am Samstag, den 23. Mai 2009, im Weinkeller von Schloss Wackerbarth in Radebeul musste Joshy Peters seine Teilnahme leider absagen. ‚Ich bin am 20. und 22.05. als Sprecher für die Produktion einer DVD der ‚Sportbild‘, ‚Der Jahresrückblick der Fußballbundesliga 2008/2009′, gebucht‘, teilte der beliebte Schauspieler mit, der im Sommer als Old Firehand in Bad Segeberg reiten wird. ‚Als dritter Aufnahmetag für die Produktion war Sonntag, der 24., vorgesehen. Aufgrund der dramatischen Entwicklung der letzten Bundesliga-Spieltage hat die ‚Sportbild‘ sich entschlossen, die Auflage der ‚Sportbild‘ und der DVD um 100.000 zu erhöhen. Das heißt für die Produktion, dass die DVD bereits Samstagnacht ins Presswerk muss. Das heißt für mich, dass ich am Samstag ab 18 Uhr, direkt nach Abpfiff, mit der Vertonung des letzten Spieltages beginnen muss. Ich bedaure meine Absage zutiefst, da auch ich mich sehr auf diesen Abend gefreut habe‘, teilte Joshy Peters mit.

Wie seinerzeit bei Jochen Bludau liefen beim KARL MAY & Co.-Team nun die Drähte heiß: Für Joshy Peters, der zusammen mit Jean-Marc Birkholz, Konrad Halver und Olaf Hörbe die Karl-May-Lesung ‚Scharlihs Welt‘ gestalten sollte, musste schnell ein Ersatz gefunden werden. Die KARL MAY & Co.ler hatten Glück im Unglück: Einer ihrer favorisierten Idealkandidaten, der Hamburger Schauspieler Frank Wieczorek (Foto), sagte mit den Worten ‚Da hab‘ ich spontan Lust drauf!‘ zu. Der Mime, der zwischen 1995 und 2004 mit Unterbrechungen bei den Segeberger Karl-May-Spielen auftrat – unvergessen etwa sein ‚Old Wabble‘ in der 2003er ‚Old Surehand‘-Inszenierung -, freut sich nun auf seine Reise in die Karl-May-Stadt, die er, wie er sagte, als Karl-May-Fan schon immer mal besuchen wollte.

Frank Wieczorek studierte einige Semester Medizin und absolvierte im Anschluss ein Schauspielstudium in Hamburg. Drei Jahre trat er am Schauspielhaus in Hamburg auf, Engagements an der Landesbühne Hannover und in der Düsseldorfer Komödie folgten. Ständiger Gast ist er im ‚Schmidt Theater‘ und in ‚Schmidts Tivoli‘ in Hamburg. Im Fernsehen war er in den Serien ‚Die Gang‘, ‚Alarm für Cobra 11‘ und im ‚Alpha Team‘ sowie in dem Film ‚Der kleine Dachschaden‘ zu sehen. Im Kino wirkte der 46-Jährige bei der deutschen Produktion ‚Comedian Harmonists‘ sowie in ‚The Falcon‘ mit. Erst kürzlich gestaltete Wieczorek in Hamburg eine Lesung aus Achill Mosers neuem Buch ‚Nimm nur mit, was du tragen kannst‘.

Sein Segeberg-Debüt feierte er in der Spielzeit 1995 unter Regisseur Thomas Louis Pröve: Eigentlich hatte Wieczorek nur eine Nebenrolle als Bandit ‚Briggs‘. Als aber wenige Tage nach der Premiere Hauptbösewicht Luca Maric (Rattler) verletzungsbedingt ausfiel, sprang kurzerhand Wieczorek für ihn ein – und überzeugte das Publikum prompt. Dies waren seine bisherigen Rollen bei den Karl-May-Spielen: 1995: Briggs/Rattler, 1998: Schiba-Bigk, 2000: Mokaschi, 2001: Knox/Der große Bär, 2003: Old Wabble, 2004: Der Lange Davy. Im dreiteiligen Karl-May-Hörspiel ‚Satan und Ischariot‘ übernahm Wieczorek von 2003 bis 2005 gleich mehrere Rollen: den Wirt, den Krüger-Bei und den Will Dunker.

nf
Fotos: Oben: Frank Wieczorek heute (Foto von Stefan Malzkorn, Hamburg); unten: Frank Wieczorek 2003 als Old Wabble bei den Karl-May-Spielen Bad Segeberg (Foto von Christine Hünseler).