Die Betreiber-Gesellschaft der Weitensfelder Karl-May-Festspiele (Kärnten/Österreich) liebäugelt mit einer Übernahme der gleichnamigen Festspiele im niederösterreichischen Winzendorf. Wie der Geschäftsführer der Gurktaler Karl May Festspiele GmbH Dietmar Schaub am Abend des 29. August 2006 bestätigte, gebe es ‚Interesse daran‘, ebenso habe es bereits Gespräche gegeben. Zu einer Erklärung gegenüber der Presse habe sich Schaub ‚aufgrund zahlreicher Anfragen ob der Gerüchte bezüglich der Übernahme‘ veranlasst gesehen. Was man sich unter einer ‚Übernahme‘ der einen Karl-May-Festspiele durch die anderen nun konkret vorzustellen hätte, das ließ Schaub jedoch offen.
Offenbar handelt es sich allerdings nur um einen Wunsch des Weitensfelder Geschäftsführers. Thomas H. Koziol, langjähriger Winnetou-Darsteller und der Vorsitzende des Winzendorfer MTC Kulturvereins, der im Steinbruch Winzendorf derzeit ‚Winnetou II‘ zeigt, spricht von ‚Träumen und Wünschen‘ Schaubs und sagt: ‚Ich kann der Fantasie dieses Mannes nichts hinzufügen‘.
Also alles nur ein Presse-Gag à la Weitensfeld im Sommerloch 2006? Koziol bestätigt zwar, von Schaub angerufen worden zu sein, stellt aber auch mit Blick auf die aktuelle Winzendorfer Situation klar: ‚Wir haben eine außergewöhnlich gute Saison und planen bereits für 2007 eine Wiederaufnahme von ‚Der Schatz im Silbersee“.
Seit Ende der Achtzigerjahre gibt es auch in Österreich so etwas wie eine Karl-May-Freilichtbühnen-Szene. Den Anfang machten 1987 die Jugendfestspiele Staatz im Weinviertel (auf der dortigen Felsenbühne wird inzwischen kein Karl May mehr gespielt, sondern in diesem Jahr ‚Les Miserables‘) und 1988 die Karl-May-Spiele Gföhl (Waldviertel). Die jüngste Bühne ist Weitensfeld/Gurktal (seit 1995). Vor der Kulisse des imposanten Steinbruchs in Winzendorf (nahe Wien) wurde erstmals 1994 Karl May gespielt. Im Laufe der Jahre hatten vor allem die Winzendorfer und Weitensfelder Spiele wiederholt mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, die den Fortbestand des Spielbetriebs gefährdeten.
nf