Es ist eine Geschichte wie aus einem Karl-May-Buch: Man versprach einem Volk, dass es das Land, auf dem es lebte, behalten könne, baute dann eine Eisenbahn und brach das Versprechen. Die Tragödie des Volkes, in diesem Falle die kanadischen Métis (aus Indianern und europäischen Einwanderern hervorgegangen), schilderte der Filmemacher Jason Friesen am 5. Mai 2008 auf einem Vortrag, zu dem der Förderverein des Karl-May-Hauses Hohenstein-Ernstthal ‚Silberbüchse‘ eingeladen hatte. Friesen war zuvor mit seinem Kamerateam in Radebeul unterwegs gewesen, um Eindrücke der dortigen Karl-May-Festtage einzufangen.
Zweimal lehnten sich die Métis im 19. Jahrhundert vergebens gegen die kanadische Regierung auf, Louis Riel, einer ihrer Anführer, wurde 1885 vor Gericht gestellt und gehängt, ihre Kultur durften die Métis nicht weiter pflegen. Die Anerkennung als indigene Nation erhielten sie erst 1982. Während einer Gesprächsrunde nach Friesens Vortrag in Hohenstein-Ernstthal gab dieser darüber Auskunft, dass die Arbeit seiner Gemeinschaft von Spenden finanziert wird. Geld von der Regierung lehne seine Gruppe jedoch ab.
Zum Abschluss des Abends überreichte Jason Friesen an den Leiter des Karl-May-Hauses, André Neubert, sowie an den Organisator der Veranstaltung, Andreas Barth, Geschäftsführer Silberbüchse e. V., einen Sash, den traditionellen gewebten Gürtel der Métis. Jason Friesen versprach, die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, mit der das ganze Filmteam in Deutschland empfangen wurde, an sein Volk weiter zu geben.
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Abbildung: Jason Friesen und Andreas Barth während des Vortrags in der Hohenstein-Ernstthaler ‚Karl-May-Begegnungsstätte‘ (Foto: Espig)