Nun steht fest, dass auch die Festspiele Burgrieden ihre für diesen Sommer geplante Spielzeit mit der Inszenierung „Old Surehand“ ins nächste Jahr verschieben. Doch Anfang September gibt es ein Bonus-Wochenende in Form von Live-Hörspielen mit den Karl-May-Schauspielern.

In einer am Samstag, 30. Mai, veröffentlichten Pressemitteilung informiert die Geschäftsführerin der Festspiel-GmbH, Claudia Huitz, umfassend zur derzeitigen schwierigen Situation des Unternehmens. „Der Gesetzgeber hat sich bis Anfang Mai Zeit gelassen, ‚Freilichttheater‘ überhaupt zu erwähnen, wodurch eine sinnvolle Planung nahezu unmöglich war“, schreibt Huitz. „Die Festspiele sind keine ‚Großveranstaltung‘, die bis Ende August alle verboten sind. Die Festspiele sind ein ‚Freiluftausflugsziel mit Einlasskontrolle‘ und eben ein Open-Air-Theater mit Außen-Gastronomie. Für diese Sonderstellung gab es lange kein Signal von Bund und Länder.“

„Die Lockerungen werden immer mehr – man darf in den Urlaub fliegen oder fahren, sitzt im Bus eng zusammen, aber eine Freilichtbühne, wo der Wind weht, darf nicht öffnen. Das macht irgendwie keinen Sinn.“

Richtige Gewissheit hätten die Festspiele Stand heute, Ende Mai, für den Sommer „immer noch nicht“, so Huitz. „Die Lockerungen werden immer mehr – man darf in den Urlaub fliegen oder fahren, sitzt im Bus eng zusammen, aber eine Freilichtbühne, wo der Wind weht, darf nicht öffnen. Das macht irgendwie keinen Sinn. Die zu erwartenden weiteren Lockerungen sollen Mitte bis Ende Juni kommen, dann wissen wir, was im Juli gilt. Das ist für uns zu spät, ein Theater hat immer ein paar Wochen Vorlauf – Proben, Pyrotechnik und so weiter. Und das Publikum muss ebenfalls planen können.“

Daher habe die Festspielleitung nun entschieden, die Inszenierung „Old Surehand“ erst 2021 aufzuführen. Die Verschiebung geschehe „schweren Herzens“, so Claudia Huitz, die die Bühne 2014 mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann gründete.

Die Spielzeit wird 2021 vom 3. Juli bis zum 11. September stattfinden, also um genau einen Tag verschoben. „Die Gäste, die bereits Tickets haben, werden benachrichtigt. Das dauert aber noch ein paar Tage. Wir buchen ihre Tickets automatisch für 2021 um – am gleichen Tag, auf dem gleichen Platz. Es entstehen keine Kosten.“

Als eine Art Bonus wollen die Festspiele dennoch am ersten September-Wochenende ihr Gelände öffnen: für ein „Live-Hörspiel“: „Die Stars der Festspiele werden das aktuelle Textbuch lesen, ein paar Pferde werden auch dabei sein“, so die Geschäftsführerin, die ergänzt: „Wir wollen dem interessierten Publikum einen Old Surehand 2020 präsentieren, zwar in anderer Form, aber nicht weniger spannend. Es gibt danach einen Karl-May-Talk, d.h. man kann die Schauspieler und den Regisseur zum Buch befragen und Einblicke in die Arbeit gewinnen.“ Das „Live-Hörspiel“ ist sowohl am 4. als auch 5. September um 19.30 Uhr zu erleben, am 5. September ist außerdem Ponyreiten, eine Kulissenbegehung und ein kleines Abschiedsfeuerwerk geplant. Auch am Sonntag, 6. September, öffnet das Gelände, dann wird es zwar kein „Live-Hörspiel“ geben, aber die Möglichkeit zur Kulissenbegehung, Einblicke in die Kampfproben und die Stunt-Arbeit sowie Einblicke ins Pferdetraining. „Genauere Informationen zum Ablauf kommen im Sommer“, so Huitz.

Die Festspiele verhandeln nun mit Banken, um die Situation durch eine Kreditaufnahme überbrücken zu können. „Das bedeutet für uns in den nächsten Jahren große Einschränkungen in der Gestaltung. Wir müssen unsere Pläne für das Gelände und die Neuerungen weiter nach hinten schieben und zunächst die Schulden tilgen, die wir ohne Corona nicht gehabt hätten. Das lässt uns in eine angespannte Zukunft blicken, denn die Festspiele sind ein junges Unternehmen, das mit 2019 eine großartige Saison abgeschlossen hatte und den ‚Kinderschuhen‘ entwachsen war“, erklärt Huitz den Ernst der Lage.