Am Samstag, den 10. August 2002, erlebten Hunderte von Besuchern auf der Wald- und Felsenbühne an den Greifensteinen bei Annaberg-Buchholz (Sachsen) die Premiere des ersten Balkan-Karl-May-Stücks auf einer Freilichtbühne seit 24 Jahren: ‚Der Schut – In den Schluchten des Balkan‘. Regisseur und Autor Klaus-Hagen Latwesen, der in den 80er-Jahren die Karl-May-Spiele Bad Segeberg in entscheidenden Funktionen zu neuen Erfolgen führte, inszenierte auf der imposanten weitestegehend naturbelassenen Bühne ein insgesamt kurzweiliges, karl-may-nahes Abenteuerstück, das alle Elemente einer erfolgreichen Familienunterhaltung bot.

So etwas gab es an den Greifensteinen noch nicht: Statisten und Stuntleute ritten auf mehr als 10 Pferden immer wieder gemeinsam über und rund um das Bühnenareal, drei Dromedare bildeten den Blickfang einer Karawane, ein Adler stürzte sich von der Spitze des hoch aufragenden Felsens hinab auf den Arm des mitten im Zuschauerraum stehenden ‚Kara Nirwans‘ (Folke Paulsen), und eine prächtige Darbietung von acht Bauchtänzerinnen verlegte die Bühne in Sachsen für einige Stunden in die Schluchten des Balkan. Weitere Falken, Ziegen und Esel, zwei Kutschen und zahlreiche aufwändig hergestellte Kostüme – solch ein Aufwand wurde für die zehn Vorstellungen betrieben, die bis zum 1. September 2002 zu sehen sind.

Regisseur Latwesen verstand es, durchweg beeindruckende Bilder mit vielen Darstellern auf der Szene zu inszenieren, die die Reize der Bühne wirkungsvoll herausstellten. Weiterhin setzte er auf häufige Ritte über und um die Bühne, auch mehrere Zweikämpfe bildeten einen Bestandteil der über 2-stündigen Inszenierung.

Im Ensemble konnten vor allen Dingen Peter Anders als Hadschi Halef Omar und Folke Paulsen als Kara Nirwan bzw. der Schut überzeugen. Lediglich die Möglichkeiten des Darstellers des Kara Ben Nemsi, Thomas Tucht, der neu im Ensemble des Eduard-von-Winterstein-Theaters ist, schienen noch deutlich ausbaufähig. Tucht hinterließ einen noch farblosen Eindruck und entsprach auch optisch eher einem Förster als dem heldenhaften Protagonisten.

Schon jetzt steht fest, das der ‚Schut‘ auch im kommenden und evtl. auch im übernächsten Jahr den ganzen Sommer, also von Juni bis August, an den Greifensteinen zu sehen sein wird.

Einen ausführlicheren und bebilderten Bericht zur Premiere des ‚Schut‘ an den Greifensteinen sowie ein Interview mit dem Regisseur und Autor Klaus-Hagen Latwesen ist in einer unserer nächsten Ausgaben zu lesen.

nf
Foto: Ulrich Neumann