Wenn er hinter der Kamera stand, war das ganz besondere Flair der Winnetou-Filme quasi garantiert: Regisseur Harald Reinl (1908-1986), der einst bei Leni Riefenstahls ‚Tiefland‘ als Regie-Assistent begann, drehte zwischen 1962 und 1968 fünf Winnetou-Filme, darunter die größten Erfolge ‚Der Schatz im Silbersee‘ (1962) und ‚Winnetou 1. Teil‘ (1963). Als Pierre Brice 1977 bei den Karl-May-Festspielen in Elspe sein zweites Jahr als Freiluft-Winnetou bestreiten sollte, engagierte man Reinl erneut als Winnetou-Regisseur, diesmal jedoch für die Freilichtbühne. Noch vor der Premiere trennte man sich allerdings, da Reinl mit der Freiluchtbühnen-Regie nicht zurecht gekommen sein soll.
Für das voraussichtlich erste Quartal des kommenden Jahres ist nun die Veröffentlichung eines umfassenden Buches über den einstigen Winnetou-Regisseur in Planung. Das Werk (mehr als 1.000 Seiten, über 60 Kapitel, voraussichtlicher Preis: rund 80 Euro), das der österreichische Autor Raimund Fritz im Eigenverlag herausgeben will, soll ‚über Harald Reinl alles Wesentliche‘ zusammentragen, ‚von seinen Kindheitstagen an, über seine Karriere als Ski-Sportler bis hin zu all seinen Filmen, die er gemacht hat, wobei das Private nicht im Vordergrund steht‘, so Fritz, der an der Universität Wien einst seine Diplomarbeit über Reinl schrieb. Die einzelnen Kapitel zu den verschiedenen Filmproduktionen sollen jeweils detaillierte Informationen zu den Credits der Filme, den Hintergründen, Dreharbeiten, zur Inhaltsangabe enthalten, ergänzt durch eine Analyse des Films nach mehreren Gesichtspunkten.
Reinls filmisches Oeuvre wurde von Fritz in sechs große Kapitel eingeteilt, die auch die jeweiligen Bedingungen, in denen Reinls Filme entstanden, berücksichtigen sollen. ‚Dabei geht es darum, die Strukturen des westdeutschen Kommerzfilms nach 1945 zu analysieren. Reinls Oeuvre bot sich hierfür an, da er fast in allen Genres Filme drehte, die für das westdeutsche Filmschaffen der Jahre 1948 bis 1986 von Bedeutung waren‘, so Fritz.
Auch an Reinls Karl-May-Filmen Interessierte könnten dabei auf ihre Kosten kommen: So soll das Buch allein 35 Seiten zum ‚Schatz im Silbersee‘ enthalten (bei anderen Filmen Reinls sind es meist nur 12 bis 20 Seiten); Fritz ging es dabei vor allem darum, ’so gut wie möglich herauszufinden, was hinter den Kulissen passiert ist und wer was zu verantworten hatte‘. Dabei sollen die bekannten Produktionen vor allem auch im Kontext aller Reinl-Filme behandelt und keine Rücksicht auf etwaige Mythen genommen werden, die sich um manche Filme gebildet haben.
Im aktuellen KARL MAY & Co.-Heft rückt eine neue Artikelreihe ‚Karl May im Film, die Regisseure‘ den Part des wichtigen Akteurs hinter der Kamera in den Mittelpunkt der Betrachtung. Im kommenden Jahr soll dabei auch Reinl berücksichtigt werden.
nf