Neue May-Filme

Aus Magazin 139 / Februar 2015

Illustration: Marko Brock

Es dreht sich seit Jahren immer rund und rund und rund. – Erinnert sich noch jemand an die Karussells mit den netten Pferdchen aus Holz? Ja, genau sowas ist gemeint, dieses nett-altmodische Zeug, das auf Volksfesten im Schatten von „Wer kotzt zuerst“-Achterbahnen vielleicht noch seine nostalgische Berechtigung hat. Das Pferdchen-Karussell, das ich meine, ist das, auf dem immer wieder ein neuer Karl-May-Film angekündigt wird. Naja, „Karl-May-Film“ – eher was mit Winnetou. Gut, das wissen wir. Für Orient (das war ja mal geplant), ist man eh zu feige, und das Thema „Indianer“ geht im Zweifelsfalle immer.

Wie aber soll man es denn machen? Die James-Bond-Reihe hat es geschafft, sich immer wieder zu aktualisieren, ihre Geschichten der Zeit anzugleichen. Das geht aber bei Karl May nicht, denn dessen Erzählungen, zumindest die populären Abenteuergeschichten, sind nun mal zwischen den 1860er und 1880er-Jahren angesiedelt. Natürlich könnte man trendige Elemente einfügen, etwa Winnetous Auferstehung als Vampir. Entsprechend der aktuellen Schmusevampirromane und -TV-Filme als ein total netter und lieber. Um die Mädels nicht zu verschrecken, und daher auch am besten mit Pferd. Allerdings gab ja schon Pierre Brice in „Winnetous Rückkehr“ einen passablen Untoten ab (das Pferd starb dann ganz schnell, die einzige Szene, die ans Herz rührte), das Thema ist damit eigentlich durch.

In Bezug auf die Hardcorefans der Filme von 1962 bis 1968 dürfte es völlig unerheblich sein, irgendwelche Rücksichten zu nehmen. Sorry, Leute, aber Ihr seid marketingmäßig eine uninteressante, kleine Gruppe. Der Film „Winnetous Weiber“ hatte geradezu unterirdische Einschaltquoten, was man kaum mit der fragwürdigen Qualität des Streifens entschuldigen kann, denn im Voraus war nicht zu erkennen, was auf einen zukommt. Das Thema an sich ist durch! Wenigstens bei der Mehrheit, die mit der – durchaus auch von mir geliebten – Brice-Barker-Nostalgie absolut nichts am Hut hat. Und das, was mal war, fand der Karl-May-Freund, nämlich der, der auch mal ein May-Buch gelesen hat, bei aller Liebe, Sympathie und Nostalgie dann doch auch schon mal so, wie oben in Bezug auf die Achterbahn erwähnt: zum Kotzen. – Aber warten wir mal ab. An ein neues Filmprojekt glaube ich sowieso erst dann, wenn ich im Kino sitze und auf der Leinwand sowas lese wie: „WINNETOU“.

Rolf Dernen