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16.01.2017
Kategorie: Leben & Werk
Von: mku

Starke Premiere: „Der Phantast“ in Dresden

„Der Phantast oder Leben und Sterben des Dr. Karl May“, ist der zweite Beitrag Philipp Stölzls zu diesem Thema - neben den drei neuen TV-Filmen, die allerdings deutlich im Schatten dieses Theaterprojekts stehen.


Foto: KARL MAY & Co. / Kunz

Die Premiere am 13. Januar im Dresdner Schauspielhaus war ausverkauft und der Schlussapplaus so laut und lange anhaltend, dass selbst die Schauspieler und Urheber überrascht wirkten. Mussten sie aber gar nicht. Stölzl und sein Autor Jan Dvorak haben die Mayschen Jahre von 1890 bis 1912 in eindrucksvollen (Bühnen-) Bildern zum Leben erweckt und lassen ihre engagierten Darsteller dabei außerordentlich präzise auf dem schmalen Grat zwischen Humor und Tragik balancieren, ohne das unbotmäßige Abgleiten in die eine oder andere Richtung zu riskieren. Götz Schubert ist ein überraschend guter Karl May, der in den biographischen Passagen ebenso überzeugt, wie in den imaginären Begegnungen mit Hadschi Halef und Winnetou. Mit dem kleinen Araber (Alexander Angeletta) kämpft er sich über den tückischen Schott, mit Winnetou (Ahmad Mesgarah) am Hancock-Berg dessen letzten Kampf. Schubert ist herrlich komisch, wenn er mit dem schweren Bärentöter bei den Fotoaufnahmen mit Alois Schießer jongliert, und bitter tragisch, wenn er sich im Orient buchstäblich die Seele aus dem Hals kotzt.

Außerdem gibt es endlich einmal jene berühmte Szene aus dem zweiten Band von „Satan und Ischariot“ auf der Bühne, in der die Blutsbrüder in Dresden beim Gesangverein zusammentreffen. Die tragische Figur des Stückes ist Emma, von Nele Rosetz als liebende Frau aus einfachen Verhältnissen personifiziert, die verzweifelt den Tagen ihrer Ehe nachtrauert, als Karl nicht nur phantastischen Gelüsten nachging und schließlich von der gewiefteren Klara (Laina Schwarz) aus dem Weg geräumt wird. Am Ende freilich muss auch die zweite Gattin hinter dem Streben nach dem Edelmenschentum hintenan stehen. Der Beifall des Premierenpublikums, darunter viele Vertreter aus der „Szene“ und auch Nik „Winnetou“ Xhelilaj, war mehr als verdient; jeder ernsthafte May-Freund sollte sich dieses Stück in seinen persönlichen Kalender schreiben. Die schlechte Nachricht: Es gibt nur noch sechs Aufführungen bis zum 18. Februar.  

Update 17.01.2017:

Das Theater hat mittlerweile bestätigt, dass es mehr als die genannten Vorstellungen geben wird. Die Vorstellungstermine werden rund einen Monat im Voraus bekannt gegeben. Mehr Infos unter www.staatsschauspiel-dresden.de


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